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Wer liest eigentlich noch Printmedien?

29.01.10 (Internet, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft)

Ich starte hier mal wieder eine Blogparade mit dem Thema Printmedien, also Tages-/Wochenzeitungen, Magazine und Zeitschriften. Ich komme darauf, weil ich selbst viele Jahre regelmäßiger Leser von Printmedien war. Vor allem Süddeutsche Zeitung, Die Zeit und Spiegel hatte ich jahrelang abonniert und gelesen. Mittlerweile hat sich das entscheidend geändert und ich beobachte Ähnliches in meinem privaten wie auch beruflichen Umfeld.

Ausser dem Spiegel habe ich nunmehr keinerlei Zeitungs- / Zeitschriftenabos mehr. Und ich vermisse auch nichts. Ich war nie der Typ, der beim Frühstücken mit der Familie die Tageszeitung gelesen hat. Das empfand ich bereits als Kind von meinem Vater als unhöflich, sich einfach komplett auszuklinken und sich hinter der Zeitung unsichtbar zu machen. Aber es gibt noch einen anderen Grund: Warum sollte ich mir morgens eine unhandliche, großformatige Zeitung durchlesen, in der nur das steht, was ich am Vortag bzw. abends bereits im Internet in aller Ausführlichkeit gelesen habe? Und nicht nur das, im Netz habe ich mehr Fotos, ggf. Videos oder interaktive Grafiken und vor allem, ich habe Zugriff auf Artikel von verschiedenen Autoren zu einem Thema, das Ganze ist nicht mehr eindimensional wie bei einer einzelnen Tageszeitung, die noch dazu den großen Nachteil der mangelnden Aktualität (im Vergleich zum Internet) hat.

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Wenn ich mich in meinem privaten Umfeld umsehe, lesen nur noch die Älteren oder wirklich Alten täglich ihre Zeitung. Bei den Zeitschriften bzw. Magazinen verhält es sich ähnlich. Sie werden von den unter 30-jährigen kaum noch gelesen, so jedenfalls mein Eindruck. Ich habe irgendwo in diesem Zusammenhang gelesen, dass Modezeitschriften für junge Frauen nicht mehr attraktiv sind. Die informieren sich stattdessen lieber über das Netz, wo mittlerweile nicht mehr Modefotos betrachtet werden, sondern ganze Clips zur Vorstellung einer Kollektion gezeigt werden, zum Beispiel hier von freundin.tv. Die kann man in einem Printmedium nicht zeigen. Eine Rolle spielt sicherlich auch die kostenlose und ständige Verfügbarkeit der Informationen.

Kurz gesagt, wie in anderen Branchen auch, sterben den Verlagen die Leser weg, so wie Videotheken verschwinden werden oder Opernhäuser nicht mehr voll werden. Soll man das bedauern? Vielleicht, aber für mich persönlich wäre das nicht die große Katastrophe. Die Institution der Presse als „4. Gewalt“ in der Gesellschaft ist deshalb nicht abgeschafft, im Gegenteil. Durch das Internet entstanden viele neue Formen des Journalismus, teils nicht kontrolliert durch Verlagskonzerne, die auf ihre Anzeigenkunden schielen müssen und Einfluß auf die Redaktionen nehmen. Wie das in Zukunft wirklich aussehen wid, darüber zerbrechen sich hochbezahlte Experten der Verlage die Köpfe, letztendlich wissen sie es auch nicht. Ein Hoffnungsschimmer soll nun das iPad von Apple sein. Problem hier: Das iPad kann keine Flash-Videos abspielen, das Standardformat im Internet. Das iPhone kann das übrigens auch nicht. Ich würde mir keinen Reader kaufen, auf dem ich nur die dröge Printausgabe auf dem Bildschirm betrachten kann. Vielleicht etwas bunter und ansprechender, aber nicht wirklich anders. Die ganze Verzweiflung der Verlagsbranche spiegelt sich in der Werbekampagne für die neue Welt Kompakt. Ich finde den Spot wirklich lächerlich, wer soll denn davon angesprochen werden? Ich wage die Vorhersage, dass es spätestens in einem Jahr keine Welt Kompakt mehr geben wird:

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