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Tommy Wosch und sein Verständnis von Toleranz

15.10.09 (Berlin, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft)

Jetzt mal was Regionales. In Berlin und Brandenburg gibt es den Radiosender Fritz, der gehört zum öffentlich rechtlichen Rundfunk RBB (Radio Berlin Brandenburg). Dort gibt es jeden Wochentag um 18.00 Uhr die Sendung „ab18 – die Tommy Wosch Show“. Eine Sendung, die ich bisher sehr gerne gehört habe, in der Sendung von gestern hat sich allerdings Herr Wosch selbst disqualifiziert. Motto: Wie übertreibt man eigentlich politicall correctness?


In der Sendung werden Themen vom Tag aufgearbeitet, Interviews geführt und viel geblödelt. Ich fand es oft wirklich lustig, allerdings hat Herr Wosch – so erschien mir das bisher jedenfalls – auch einen journalistischen Anspruch. Auch wenn er manchem Interviewpartner mit seinem Hin und Herschalten zwischen Ernsthaftigkeit und Witzig sein hörbar auf die Nerven geht, so ist seine Moderation und Präsenz anerkennenswert. Umso ärgerlicher ist es, wenn so ein Talent dann so unsachlich, intolerant, verletzend und einfach stumpf auf ein bestimmtes Thema reagiert. Es geht um die Aussagen des Herrn Sarrazin. Schon in einer der letzten Sendungen hat Herr Wosch die Aussagen in Gänze als „Scheiße“ und „geht gar nicht“ bezeichnet. Gestern kanzelte er aber 2 Anrufer, die ganz vorsichtig durchblicken ließen, dass an Sarrazin’s Aussagen vielleicht nicht alles falsch ist, brutal ab. Richtig reflexhaft wittert er überall Nazi-Scheiße und ist an keiner Stelle bereit, eine andere Meinung zu respektieren oder darüber zu diskutieren. Journalismus ist was anderes. Mir fällt dazu der Begriff „ewig gestrig“ ein.

Wie er seine beiden Anrufer behandelt, ist meiner Meinung nach unterirdisch. Nachdem der Eine berichtete, dass er von Ausländern ohne ersichtlichen Grund mit „Nazis raus“ beschimpft wurde, fielen Herrn Wosch und seinem Sidekick Kathrin Thüring nichts besseres ein, als das gut zu heißen. So nach dem Motto, wieso, ist doch richtig mit Nazis raus, sie gingen also überhaupt nicht auf die beschriebene Situation ein. Einfach nur kläglich. Es ist leider auch nicht witzig, sondern eher erbärmlich. Ein dritter Anrufer zeigte ebenso wenig Verständnis wie Herr Wosch, da jubilierte er schon. Zum Schluss wurde zu dem Thema der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes befragt. Hier wirkte Herr Wosch richtig befreit, auch wenn die Antworten vorhersehbar waren.

Ich respektiere die Meinung von Herrn Wosch über die Aussagen von Herrn Sarrazin, auch wenn ich eine andere dazu habe. Aber wenn jemand Toleranz und Respekt einfordert und dann so respektlos und intolerant auftritt, kann nicht davon ausgehen, dass man ihn sonderlich ernst nimmt. Leider hat mir das die Sendung gründlich vergällt und ich werde mir um 18.00 Uhr etwas anderes im Radio anhören. Schade, aber das war einfach zu blöd und selbst entlarvend. Eine kleine Diskussion gibt es auf dem Fritz-Forum, da sieht man, dass andere das auch so empfinden.

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