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Schwarz-Gelb und das Betreuungsgeld – was hat das noch mit vernünftiger Politik zu tun?

28.10.09 (Politik, Wirtschaft und Gesellschaft)

Bereits die Große Koalition hatte 2008 auf Betreiben der CDU, vor allem aber der CSU, den Plan, ein Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren nicht in einen Kindergarten schicken wollen, einzuführen. Da man sich damals nicht mit der SPD einigen konnte, verständigte man sich auf die Formulierung, dass es „gesetzlich von 2013 an in Aussicht gestellt wird“. Nun soll, wie von der CSU gefordert, das Betreuungsgeld 2013 eingeführt werden. Kritik, und zwar berechtigte, ließ nicht lange auf sich warten.

Worum geht es? Es soll allen Ernstes Eltern eine monatliche Prämie gezahlt werden, wenn sie ihre Kinder zu Hause erziehen und nicht in eine Kindertagesstätte schicken möchten. Wie wahnsinnig ist das denn? Mein Gefühl sagt mir eher, man sollte Eltern, die ihrem Kind eine Kindertagesstätte vorenthalten, Leistungen entziehen. Jedenfalls nicht dafür belohnen. Ich bin selbst Vater von 2 Kindern, meine Tochter ist jetzt 5 Jahre alt und die kam mit 11 Monaten in die Kita. Genauso haben wir es mit meinem heute 13-jährigen Sohn gemacht. Wir haben den Vergleich mit Kindern, die nicht oder wesentlich später in die Kita gegangen sind. Man kann auf jeden Fall deutlich einen Unterschied im Sozialverhalten wie auch in der Entwicklung von Kompetenzen feststellen. Noch wichtiger erscheint mir die Tatsache, dass meine beiden Kinder sehr, sehr gerne in die Kita gehen bzw. gingen. Meine Tochter freut sich jeden Morgen drauf, genauso, wie es bei unserem Sohn war.

Kinder brauchen meiner Meinung nach so früh wie möglich andere Kinder um sich herum und auch wenn bei den Betreuungsschlüsseln der Kitas Einiges im Argen liegt, ist der Aufenthalt dort für ein Kind allemal besser, als zu Hause im schlimsten Fall vor dem Fernseher abgelegt zu werden.


Der Berliner Bezirksbürgermeister von Neukölln Heinz Buschkowsky hat in einem Interview mit dem Tagesspiegel mit drastischen Worten die Einführung des Betreuungsgeldes kritisiert. In den Nachrichten wird dieses Zitat oft als Aufhänger für die Nachricht verwendet: In der deutschen Unterschicht wird es versoffen und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt.
. Man muss heutzutage offenbar – siehe Sarrazin – sich so drastisch und undifferenziert ausdrücken, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Das soll keine Kritik an Buschkowsky sein, solch Klartext tut gut.

Auch wenn es wie ein Vorurteil klingen mag, natürlich ist es für die zur Unterschicht gehörenden deutschen Familien wie auch bei den Einwandererfamilien (ich kann das Wort Migrationshintergund einfach nicht mehr hören) ein verlockendes Angebot, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken. Die Folgen sind, dass Einwandererkinder mit nur rudimentären deutschen Sprachkenntnissen in die Schule kommen und dadurch von vornherein in ihrer Entwicklung gehemmt werden. So bekommen wir keine ach so dringend benötigten Talente, um unseren Wohlstand zu sichern. Bei deutschen Unterschichtfamilien sieht es nicht viel besser aus. Da wird das Kind vor dem neu erworbenen Flachbildschirm nebst Multimediaanlage abgelegt oder darf sich die von ihrer Situation genervten Eltern den ganzen Tag reinziehen.

Das Problem ist, dass das Betreuungsgeld voraussichtlich überwiegend von dieser Personengruppe in Anspruch genommen werden wird. Akademikereltern bzw. Eltern mit einem gewisen Bildungshintergrund möchten oft so früh wie möglich wieder arbeiten und die wissen außerdem, wie wichtig ein Kita-Besuch für das Kind ist. Das Betreuungsgeld ist für diese Klientel auch kein Anreiz.

Wieso koppeln sich Politiker so sehr von der Realität ab? Die leben doch nicht auf einem anderen Planeten, habe auch Freunde und Verwandte, die ein normales Leben führen. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle entblödet sich nicht, darauf hinzuweisen, dass es sichergestellt wird, dass das Geld auch bei den Kindern ankommt. Wie soll das funktionieren? Über Gutscheine? Auch da gibt es Mittel und Wege, diese Gutscheine zu Bargeld zu machen und nicht für die Kinder auszugeben.

Ich bin vollkommen seiner Meinung, wenn Herr Buschkowsky sagt: „Ich bin, gelinde gesagt, fassungslos. Prämien, damit Kinder im Milieu bleiben anstatt integriert zu werden? Das ist doch völlig rückwärts gewandt. Das Vorhaben ignoriert die Erfolge fast aller OECD-Staaten und sämtliche wissenschaftliche Studien. Unter Fachleuten herrscht Einigkeit darüber, dass wir in die Kinder investieren müssen und nicht in die Eltern. Das trampelt die neue Koalition jetzt alles mit Brachialgewalt nieder.“

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