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Frau Schaeffler – Mitleid ist das falsche Wort

08.05.10 (Politik, Wirtschaft und Gesellschaft)

Ich habe mir mal Gedanken gemacht, wie sich jemand wie Frau Schaeffler derzeit fühlen muss. Ich kenne auch einige aus meinem persönlichen Umfeld, die teilweise schmerzliche Verluste bis über 60% ihres angelegten Vermögens infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise hinnehmen müssen. Aber natürlich nicht in den finanziellen Dimensionen, in denen sich Frau Schaeffler und ihr Sohn bewegen.

So wie es aussieht, steht für die Familie wirklich alles auf dem Spiel. Im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wird ein Banker mit den Worten zitiert: „Wenn es gut läuft, bleiben der Familie 10% ihres Vermögens, wenn es schlecht läuft, ist alles weg“. Was bedeutet das? Die Schaefflers werden auch im schlimmsten Fall nicht zum Jobcenter gehen müssen. Aber ein Absturz von der einer derartig extremen Fallhöhe ist natürlich, wenn auch nicht einzigartig – siehe den Fall Merckle, sehr, sehr selten. Wenn man mal ein Vermögen in Milliardenhöhe sein Eigen nennen und dann auf das Einkommensniveau der Manager des eigenen Unternehmens fällt (einfach mal geschätzt, was für die Schaefflers übrig bleiben kann. Angeblich haben die Banken der Familie Merckle pro Person 1 Million Euro und einige Privatimmobilien zugestanden), muss das einfach brutal sein. Das Schlimmste ist vielleicht gar nicht der eigentliche Verlust des Geldes, sondern eher der damit verbundene gesellschaftliche Abstieg, den man dann erfährt. Frau Schaeffler wird in ihrem engeren Bekanntenkreis wahrscheinlich eher wenige bis keine Leute mit geringem Einkommen haben. Aber was passiert nach so einem Absturz? Ich stelle mir gerade den umgekehrten Fall vor: Jemand mit durchschnittlichen Einkommen (wie ich zum Beispiel) erhält plötzlich durch eine Erbschaft, Lottogewinn oder Ähnliches Millionen von Euro. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man auf Dauer sein bisheriges soziales Umfeld halten kann. Konkretes Beispiel: Man kann schlecht seinem Freund davon erzählen, wie sehr man sich auf den bestellten Edel-Sportwagen freut, während der Freund nicht weiß, ob er seine Wohnung weiter bezahlen kann, weil sein Geschäft so schlecht läuft. Das driftet immer weiter auseinander und die extrem unterschiedliche Einkommenssituation wird immer unausgesprochen ein Thema sein. Ich bin überzeugt, dass da auch Freundschaften auseinander gehen können. Umgekehrt dürfte es sich im Fall Schaeffler ähnlich verhalten. Da bleiben einem wahrscheinlich nur die ganz alten Freunde treu.
Mitleid ist auf jeden Fall das falsche Wort, die Frau ist, natürlich auf niedrigerem Niveau, versorgt. Und die Punkte, die der Doener
in seinem Blog aufzählt, sprechen für sich. Dennoch, man darf nicht vergessen, Frau Schaeffler hat nach dem Tod ihres Mannes 1996 die Firma geführt hat und das sehr, sehr erfolgreich. Angeblich soll in fast jedem Auto weltweit mindestens ein Teil von Schaeffler verbaut sein. Sie ist mir zumindest nie unangenehm aufgefallen, war nicht oder kaum in der Klatschpresse zu sehen, hat sich eigentlich zurückgehalten. Sie hat viele Arbeitsplätze geschaffen und gewiss einiges an Steuern bezahlt. Gut, man kann sagen, sie hat es jetzt verspielt, aber ich glaube nicht, dass die Schaeffler-Gruppe total absäuft. Die Gründe und die Umstände der Conti-Übernahme sind nur den Insidern bekannt. Man kann sich kein Urteil erlauben, weil man weiß, was für Absichten dahinter steckten und wie der Deal gelaufen ist. Mein Fazit: In der ganzen öffentlichen Debatte um Schaeffler ist ein gutes Stück Schadenfreude enthalten, die ich auch bei mir festgestellt habe. Was aber vielleicht nicht wirklich fair ist.

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