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Die Islam-Debatte und die deutschen Medien – guter Artikel in der NZZ

09.12.09 (Politik, Wirtschaft und Gesellschaft)

Die Schweiz ist ja momentan weltweit wegen des Ausgangs der Volksabstimmung über das Verbot des Baus von Minaretten im Gespräch. In der Neuen Züricher Zeitung online hat Herr Heribert Seifert einen interessanten Artikel über die Islam-Debatte und die Rolle der (deutschen) Journalisten veröffentlicht.

Heribert Seifert hat sich schon ziemlich abfällig über die, wie er es ausdrückt, „Kampf-Blogger“ geäußert und sich den Zorn der Blogger-Szene zugezogen. Heute erschien in der Online-Ausgabe der NZZ ein Artikel von ihm über die Rolle der Medien in der Islam-Debatte. Und da gibt es einige interessante Aspekte. Unter der Überschrift „Pädagogische Perspektive“ schreibt er unter anderem:

„Dass Medien als Transmissionsriemen einer nur diffus umrissenen «Integration» zu funktionieren haben, gilt vielerorts als Leitlinie redaktioneller Praxis.

Diese pädagogische Botschaft behandelt die Leser, Hörer und Zuschauer als Objekte eines strengen Erziehungsprojekts. Sie «müssen» lernen, den Einwanderer in seiner Besonderheit zu verstehen und zu schätzen. Vor allem das Fernsehen schwelgt in Bildern, die das schöne Fremde zur Schau stellen. Geschichte wird dabei gern geglättet, so dass die islamische Welt der Vergangenheit primär als Hort kultureller Blüte und gesellschaftlicher Toleranz erscheint. Aus der Gegenwart sind biografische Erfolgsgeschichten beliebt.“

und weiter:

„Rücken Probleme und Konflikte ins Blickfeld, begegnen wir Muslimen in der Doppelrolle als Opfer und Unterprivilegierte: Deutsche «Fremdenfeindlichkeit» und «Islamophobie» grenzen sie angeblich aus und verwehren ihnen den Zutritt zu Wohnungen und Arbeitsplätzen. Es gilt die bedingungslose Parteinahme für die Betroffenen.“

Die Problematik der deutschen Medien mit der Berichterstattung ist hier präzise beschrieben. Nach diesem Teil geht der Autor auf die – für viele wahrscheinlich überraschende – Erscheinung ein, dass selbst auf Webseiten von seriösen bis ziemlich links stehenden Blättern, FAZ bis taz, Kommentare zu Artikeln mit Islam zum Thema mehrheitlich politisch unkorrekt kommentiert werden. Es gäbe noch mehr solcher Kommentare, wenn die jeweiligen Moderatoren auch alle veröffentlichen würden. Damit kommen wir zum nächsten Unterpunkt, wo mir Herr Seifert aus der Seele spricht:

Unter dem Punkt „Camouflagen“ schreibt er:

„Treten muslimische Einwanderer unübersehbar nicht als Opfer, sondern als Täter auf, wird gern relativiert oder gar camoufliert. Der endlose Streit, ob Medien die ethnische Herkunft von Straftätern nennen dürfen, produziert dabei groteske Blüten. In Einzelfällen sind Zeitungen dazu übergegangen, den Verdächtigen deutsche Namen zu geben, um auf keinen Fall Vorurteilen Vorschub zu leisten. Solche Zurückhaltung gilt auch dann, wenn die Straftaten durchaus ethnospezifische Muster aufweisen, also die Information über das Tätermilieu zum Verständnis des Verbrechens dient.“

und weiter:

„Während gewalttätige Übergriffe auf Muslime medial in der Regel als Exempel einer latent verbreiteten deutschen Neigung zu einem «Hassverbrechen» interpretiert werden, gilt der Angriff eines Türken auf einen Deutschen auch dann als Einzelfall üblicher Kriminalität, wenn der Angreifer «Scheissdeutscher!» brüllt.“

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Es ist leider wirklich so, dass seriöse Medien politisch unkorrekte Fakten weg lassen oder schlicht falsche Angaben machen. Ich kann ein Informationsmedium nicht Ernst nehmen, wenn nicht geschrieben wird, „was ist“ (Rudolf Augstein hat das seinen Redakteuren gesagt: Schreiben, was ist). Wenn über einen Übergriff berichtet wird und wesentliche Teile (wie z.B. die Herkunft der Täter) verschwiegen oder verschleiert wird, dann ist das für mich Desinformation. Das Argument, man wolle dadurch verhindern, dass Migranten (in Wirklichkeit Muslime, hauptsächlich aus dem türkisch-arabischen Raum) in der Öffentlichkeit negativ dargestellt werden, macht fassungslos. Als ob die Leser nicht mitbekommen würden, dass es teils massive Probleme im Zusammenleben mit Muslimen gibt.

Am Ende seines Artikels beschreibt Seifert eine Wandlung in der Berichterstattung der großen Tageszeitungen. Nur „realitätstüchtige Berichte“, so nennt er es, können die liberalen Medien „ihren Rang zurückgewinnen“. Da hat er wohl recht und dass sich der Wind bei der ganzen Islam-Thematik zu drehen beginnt, hat sich nach der überstandenen Sarrazin-Empörung angedeutet. Mittlerweile hat der führende Blog zu dem Thema regelmäßig über 50.000 Besucher täglich mit steigender Tendenz, das ist beachtlich. Dem gegenüber werden die Stimmen immer weniger, die reflexartig bei jeder Muslim-kritischen Äußerung „Nazi“ rufen.

Es geht nicht um Ausländerfeindlichkeit, sondern vielmehr um klarere und weniger verfälschte Information über das Thema und um einen realistischen Umgang mit Muslimen, bei dem wir nicht uns selbst verraten.

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