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Das unglaubliche Verhalten der Manager

28.03.09 (Politik, Wirtschaft und Gesellschaft)

Anlässlich der heutigen Bilanzpressekonferenz der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW muss ich mich mal wie viele andere Blogger und Webmaster mit diesem für mich unglaublichen Verhalten mancher Manager beschäftigen.

Ich beginne mit der ersten Meldung, an die ich mich in diesem Zusammenhang erinnere und zwar war das der Jagdausflug nach Großbritannien für Manager des amerikanischen Versicherungskonzerns AIG im Oktober 2008. In diesem Zusammenhang habe ich dann auch von dem Luxustrip für AIG-Mitarbeiter im September 2008 eine Woche nach der ersten Rettungsaktion der amerikanischen Regierung gelesen. Hier wurde für den Jagdausflug 86.000,00$ und für den Badeausflug 440.000,00$ ausgegeben. Die Teilnehmer dürften sich nur aus den oberen bis obersten Etagen rekrutiert haben. Wenn kein amerikanisches Steuergeld gekommen wäre, würde es den Konzern nicht mehr geben. Ich weiß nicht, es wurde damit argumentiert, dass die Trips schon lange geplant gewesen seien. Selbst wenn es so war, hätte man das für eine Stornogebühr canceln können, immer noch besser, als so eine Außenwirkung.

Es gibt erschreckenderweise etliche krasse Beispiele eigentlich weltweit, ich gehe jetzt aber auf Georg Funke, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate (HRE) ein, dessen Verhalten so dermaßen daneben ist, dass ich sicher bin, dass er wirklich mit „unserer“ Realität nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Besorgniserregend ist dabei der Gedanke, dass das auch bei den meisten anderen Bankmanagern der Fall ist. Dieser Herr Funke hat unbestritten die Entscheidungen gefällt, die in dieses Desaster geführt haben. Die HRE wird mit unvorstellbaren Summen an Garantien und Cash in Gesamthöhe von bis jetzt 102 Milliarden von der Bundesregierung gestützt. Und bei allem, was man so hört, ist das bei weitem noch nicht das Ende
und die eher unaufgeregte FAZ spricht von „Horror“ in Zusammenhang mit der HRE. 102 Milliarden? Frau Merkel pries im Januar ihr Konjunkturpaket als das größte jemals in der Bundesrepublik aufgelegte, Umfang: 50 Milliarden Euro. Ich komme irgendwie nicht mehr mit.

Ich hatte eine Meldung über Herrn Funke gelesen, in der er sich beklagte, dass er durch den Kursverfall der HRE-Aktie ins Bodenlose auch viel Geld, nämlich 2 Millionen verloren hat. Und jetzt klagt der Mann auf weiterführende Zahlungen von der HRE an ihn in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Ist hier nicht einfach nur Maul halten angesagt? Am besten sich unsichtbar machen? Man muss sich fast fremdschämen. Ähnliches gilt für Detlef Leinberger und Peter Fleischer, Ex-Vorstände der KfW, und hier komme ich wieder an den Anfang. Die beiden Manager sind laut KfW für die Überweisung von 320 Millionen Euro im September 2008 an Lehmann Brothers verantwortlich, dies passierte zu einem Zeitpunkt, als Lehmann schon pleite war, damit war das Geld weg. Die KfW prüft, ob sie gegen die Manager Schadensersatzforderungen geltend machen kann und was machen die Beiden? Sie klagen gegen die fristlose Kündigung und verlangen Gehaltsnachzahlungen. Ich will jetzt nicht die ganzen Zahlungen und Boni und Pensionen aufzählen, es ist auch irgendwie frustrierend. Auch deshalb, weil wahrscheinlich die Klagen der Ex-Manager erfolgreich sein werden, juristisch wird es korrekt sein. Aber moralisch und sozial finde ich das Verhalten verheerend. Hier geht es um Zahlungen an Leute, die wirklich viel, viel Geld haben. So viel Geld, 90% der Bevölkerung werden nie so ein Vermögen besitzen. Und dann wird noch geklagt, die öffentliche Empörung ist den Herren offenbar scheißegal. Ich hoffe nur, dass es noch Banker gibt, die darüber den Kopf schütteln.

Bei der HRE gibt es noch einen anderen interessanten Aspekt, finde ich. Wie kann man eine einzelne Privatbank so dermaßen groß und bedeutend werden lassen, dass ein Zusammenbruch der absolute GAU wäre? Und wenn das schon so sein musste, warum kann ein derartig unfähiges Management scheinbar völlig unkontrolliert diese hochriskanten Geschäfte tätigen? Komischerweise wird das in den Medien nicht diskutiert.

Aber es kommt Bewegung in die Sache. Heute finden Demonstrationen zur Wirtschaftskrise in Berlin und Frankfurt statt.

Update: Es gibt natürlich weitere Fälle, allerdings auch einige, die wegen des öffentlichen Drucks verzichten.

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