PC Blog Berlin über PC Probleme

direkt vom Prenzlauer Berg

  • Top Kommentatoren

Angezündete Autos in Berlin – manche haben dafür Verständnis

28.07.09 (Berlin, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft)

Seit einigen Jahren schon werden in Berlin auf der Straße geparkte Autos angezündet (man nennt es auch „abgefackelt“). Mittlerweile wurden auch Fahrzeuge der Polizei bzw. der Gewerkschaft der Polizei in Brand gesteckt. In Berlin wird mit dem Thema ziemlich gleichgültig umgegangen, sowohl von Senatsseite als auch von der Bevölkerung selbst, so jedenfalls mein Eindruck. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe keinerlei Verständnis für derartige Aktionen. Was soll das bringen? Um ein wie auch immer gemeintes Zeichen zu setzen, wird das große Risiko eingegangen, dass dabei auch Personen zu Schaden kommen. Spiegel Online hat mit Herrn Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, ein Interview zu dem Thema geführt. Einige Kommentare im Spiegel-Forum sind wirklich unsäglich.

Die Brandanschläge auf parkende Autos haben in den letzten Monaten zugenommen und es soll noch schlimmer werden. Die meisten Anschläge fanden in Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte statt. Man muss ehrlich sein, es gibt da eine Verdrängung der „alten“ Bewohner durch besser verdienende Leute, die sich die sanierten Altbauwohnungen bzw. neugebaute Townhouses, wie Martha’s Hof leisten können. Bei uns im Prenzlauer Berg hat sich die Einwohnerschaft innerhalb von 10 Jahren nahezu komplett ausgetauscht. Das alles ist aber wirklich kein Grund, mit Gewalt und Zerstörung fremden Eigentums dagegen vorzugehen.

Aufgrund des Spiegel-Interviews kam es zu einer angeregten Diskussion im Forum. Ich zitiere mal einen Beitrag, der zwar nicht direkt mit den angezündeten Autos zu tun hat, aber mit dieser Aussage steht der Verfasser in Berlin leider nicht allein da:

Mir ist es ausrücklich sympathisch, das in Kreuzberg eines dieser widerwärtigen „Carlofts“ (Luxuswohnungen, in denen man sein Auto mit ins Wohnzimmer nehmen kann), angezündet wurde. So etwas passt nicht nach Kreuzberg. Das sich die Leute gegen diesen Dreck wehren, finde ich korrekt. Kreuzberg soll so bleiben, wie es ist. Nämlich eine gemütliche Nische.

Gemeint sind die Carlofts in Kreuzberg und anderswo. Über diese Art zu wohnen kann man geteilter Meinung sein, aber es korrekt zu finden, Häuser anzuzünden, in denen sich Menschen aufhalten, ist nicht diskutabel. Das hat die genau gleiche Qualität wie die Brandanschläge von Neonazis auf Wohnhäuser, in denen überwiegend Ausländer leben. Wie gesagt, das ist keine einzelne Spinnermeinung. Es gibt eine nicht unbedeutende Anzahl von Leuten, die so oder so ähnlich darüber denken.

Wenn man sich auf die krude Logik der Brandstifter einlässt, kann man die Zerstörung von Luxusautos irgendwie noch rechtfertigen, um zu erreichen, dass „Reiche“ wieder von dem Kiez wegziehen. In dem oben verlinkten Bericht der BZ wird von einem BMW X5, einem VW Golf, einem Ford Fiesta und einem Fiat Punto gesprochen, die in Flammen aufgegangen sind. BMW X5, okay, das ist in dem Weltbild der Brandstifter ein Auto eines Kapitalistenschweins. Aber Golf, Fiesta, Punto? Egal, wie alt oder neu die Fahrzeuge waren, die passen nun wirklich in die gleiche Kategorie eines X5. Und wenn so ein Fiesta nicht ziemlich neu ist, wird er in der Regel auch nicht so versichert, dass der Schaden ersetzt wird. Das ist dann also ein wirtschaftlicher Totalverlust für jemanden, der möglicherweise froh ist, überhaupt ein Fahrzeug unterhalten zu können.

Die Kritik, dass sozial schlechter gestellte Leute von gut bis sehr gut verdienenden verdrängt werden, ist meiner Ansicht nach berechtigt. Aber kann man andererseits jemanden vorwerfen, dass er eine schöne Wohnung bezieht? Und dass er gut verdient? Einige Leute aus diesen Kreisen sind Kunden von mir und mir fällt immer wieder auf, wieviel die arbeiten und wie leistungsbereit sie sind. Jemand daraus einen Vorwurf zu machen, ist schlicht absurd.

[ad#unter-artikel]

 

PC Blog Berlin über PC Probleme is powered by WordPress | ZyRed Theme von ZyBlog